frauverliebt

...ein lesbischer Blog von Lina Kaiser

Kategorie

Liebe und Herzschmerz

Texte und Gedichte rund um das wichtigste Thema der Welt: Liebe.

Gibt es eigentlich “die Richtige”?

Unsere Generation bezeichnet sich gern mal als beziehungsunfähig – dabei träumen wir fast alle von der großen Liebe. Gibt es “die Eine”, “die Richtige” für dich und mich – oder ist das nur eine romantische Illusion? (mehr …)

Von der Liebessuche am Grabbeltisch

“Das Muster der Beziehung zwischen Kunde und Produkt wird als Archetyp für jede Beziehung gesehen – auch für die zwischen Menschen. Dabei gelten zwei Annahmen. Erstens: Ein Konsumprodukt soll Zufriedenheit verschaffen. Zweitens: Es gibt keinen Grund, einem Produkt gegenüber loyal zu sein, wenn es seinen Zweck nicht mehr erfüllt und vielversprechendere Alternativen vorhanden sind. Da alle oder zumindest fast alle Mitglieder in unserer Gesellschaft von Konsumenten dieses Muster akzeptieren, ist es kein Wunder, dass wir auch selbst von den anderen gemäß diesem Muster behandelt werden.” – Zygmunt Bauman, 2011, Süddeutsche Zeitung

Wart ihr schon einmal in einem Ramschladen der Liebe unterwegs? Es gibt genügend davon. Sie haben Namen wie Tinder, Lovoo und Lesarion und alle bieten reichhaltige Grabbeltische, an denen jeder seine potenziellen Partner hervorziehen kann wie Kleidungsstücke…  (mehr …)

Lesbischer Adventskalender

Hohoho! Hab mir bei Instagram eine kleine Challenge auferlegt: Jeden Tag im Dezember poste ich ein Comic-Bildchen. Alle zusammen erzählen eine lesbische Liebesgeschichte 🙂 <3

Schaut mal rein:
Mein lesbischer Adventskalender

Lesbischer Adventskalender: 1. Dezember

1. Dezember

 

Erste Liebe

 

Spiegelbild

Enge Gassen, Kopfsteinpflaster, drei erhabne Kirchentürme.

Grauer Himmel, rauher Wind, hin und wieder Regenstürme.

Der Ort steht still, sieht aus wie gestern, als ich noch meine Kreise zog

Und stöhnte, paukte, hoffte, lachte – und mich durch lange Tage log.

Das Dorf, das meine Schulzeit prägte, auch wenn der Bau so nicht mehr steht.

Ich riech den Moder noch. Die alten Tische. Weiß noch, wie Langeweile geht.

Ich gehe hoch zu der Ruine; nur die Mauer wurd nicht abgerissen

Und wie ich stehe und erinner, greift es tiefer, das Vermissen

Nicht die Zeit vermiss ich. Nicht die zähen Morgenstunden.

Sondern das, was hier begraben; was ich einst hab hier gefunden.

Diese viele Zeit noch vor mir. Alle Möglichkeiten da.

Und die Gewissheit, Dich zu treffen. Tag für Tag und Jahr für Jahr.

Wie ein Friedhof von Erinnerung; hier liegt ein Leben, das ich führte

Alles gleich und dennoch anders: Kein Mensch mehr da, der mich einst rührte.

Was viel mehr fehlt als das Gebäude, ist der Zauber, den es umhüllte:

Du.

Und die Hoffnung, die sich nie erfüllte.

Roma

Foto 2

Umhüllt von gedimmten Straßenlichtern, entlang dem ewigblauen Fluss, liefen wir durch die Geschichte, die hier geschehen sein muss. Wir fühlten ihre Seiten blättern, bewegten uns darauf hinfort, sahen Staub und Steine schwören, was alles war an diesem Ort. Selbst die Luft war schon ganz trocken, von jedem Wort, das hier einst fiel und der Sprache all der vor uns, die längst ruh’n an ihrem Ziel. Die Stadt, die alles überdauert, schaute bewegt auf uns herab, ihre Geschichte setzt sich fort und bricht auch ohne uns nicht ab. Du und ich sind kleine Lichter, die hell leuchten und verbrennen – und in hundert Jahren wird kein Mensch mehr uns noch kennen.
Doch wir hinterließen Spuren.
Mit den Füßen, mit den Händen – unser Lachen hallt noch immer von den glatten Marmorwänden. Unsere Zeit ist unsere Feder, mit der wir selbst Kapitel schreiben, und unsere Zeilen werden fortan auch Teil der ewigen Stadt bleiben. Werden flüstern in den Winden, werden funkeln mit den Sternen, und als die, die wir hier waren, werden wir uns nie entfernen.Foto (3)

Herzenslabyrinth

#Liebe&Herzschmerz

Das Herz ist ein Labyrinth voller Verzweigungen, Geheimpfade, Sackgassen und versteckten Lichtungen. Der Eigentümer kann es selbst nicht überblicken. Manchmal findet er sich wieder irgendwo, wo er längst geglaubt hatte raus zu sein – oder gar dort, wo er nie gedacht hätte hinzukommen. Es gibt keine Karte. Keine Hinweisschilder. Es gibt nur viele, viele Pfade; manche verwuchert, manche gepflegt – zumindest auf den ersten Metern. Manchmal fühlt man sich verloren und möchte den eingeschlagenen Weg schnell wieder verlassen, will mit der Heckenschere ansetzen und sich einen Ausweg schneiden – doch jeder gewaltsame Schnitt ist trügerisch. Die Hecken könnten nachwachsen. Oder man trifft in seinem Befreiungswahn die falsche Stelle und köpft versehentlich eine Rose, die gerade begonnen hatte, am Wegesrand zu blühen.
Wie kommt man da möglichst unbeschadet durch? Wahrscheinlich am ehesten, wenn man akzeptiert, dass man sich in einem Irrgarten befindet. Es gibt keinen vorgeschriebenen Weg. Es gibt keinen Ausgang. Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg. Es gibt nur die vage Hoffnung, die uns weitertreibt, in Erwartung, vielleicht hinter der nächsten Ecke das große Glück zu finden. Denn das liegt hier. Das liegt hier irgendwo. Vielleicht wandert es auch. Verweilt mal an dieser Stelle, mal an jener… Irrt umher. Und wir hinterher.

Die Briefe, die ich Dir nicht schreibe

#Liebe&Herzschmerz

Die Briefe, die ich Dir nicht schreibe, erzählen Geschichten, die Dich interessieren könnten.

Von zwei Abenteurern auf dem Weg ins Irgendwo. Von lauen Abenden auf betagten Autositzen,

die eine Hand am Steuer, die andere am Malzbier, den Blick stets nach vorn gerichtet. Von zwei Singvögeln, die gerade ihre Stimmen entdeckt hatten und nun in unterschiedlichen Tonhöhen, nicht immer textsicher – aber laut – die Radiohits ihrer Zeit zwitscherten, völlig überzeugt davon, dass diese Lieder nur ihnen gehörten, ihnen allein, während das Auto eine Meile nach der anderen hinter sich brachte.

In detailverliebten Zeilen schildern diese Briefe, die ich Dir nicht schreibe, wie die Abenteurer ihre gewohnten Straßen verließen, mal, weil der eine es so wollte, mal, weil dem anderen danach war, mal, weil beide es für richtig hielten und auch mal, weil die Straßen es nicht anders zuließen. Eindrucksschwer klingen diese Sätze, die jene Zeiten schildern. Sie sprechen von vielen Erlebnissen, großen Entdeckungen und einer ganzen Reihe weiterer Geschichten – aber auch von Unsicherheit, Rastlosigkeit und der zunehmenden Angst vor der nächsten Kreuzung.

Dort, wo die Schrift krakeliger wird, schildern die ungeschriebenen Briefe die Episode, in der sich die Abenteurer verfuhren und in heftigen Streit ausbrachen. Wer hatte sich ursprünglich für welche Abfahrt ausgesprochen? Und wer saß eigentlich am Steuer, als das Auto schließlich über den Stein bretterte, der den Reifen später zum Platzen brachte? Beide hatten ihre eigenen Antworten. Mit einem bedauernden Unterton erzählen die Briefe, wie sich die Abenteurer zu dumm anstellten, den Reifen zu wechseln. Wie sie sich müde und entnervt neben das Auto setzten, anschwiegen und jeder für sich stumm die ganze Reise in Frage stellte.

Und dann stand einer auf. Während der eine Abenteurer beim Auto blieb, gestrandet und auf Hilfe wartend, nahm der andere Abenteurer seine Sachen und ging zu Fuß weiter. Er sah nicht mehr zurück.

Diese Briefe, die ich Dir nicht schreibe, wären voll. Jeder Zentimeter Pergament wäre beschrieben. Sie wären dick. Ich bräuchte viele Umschläge, um sie zu verschicken. Aber gerade fehlt mir das Papier. Und der Briefkasten. Und wohin sollte ich sie adressieren? Wo auch immer Du gerade bist, auf Deiner Rucksacktour durch die Wildnis, in Begleitung, natürlich…

Während ich immer noch das Auto repariere. Im Kopf die Briefe, die ich Dir nicht schreibe.

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