Welch positive Woche für Frauen, die Frauen lieben, liegt hinter uns! Sowohl Kristen Stewart als auch Cara Delevingne haben sich zu ihren lesbischen Beziehungen bekannt. Obgleich eigentlich jeder bereits diese Beziehungen ahnte, sind beide Coming-outs immens wichtig für lesbische Sichtbarkeit – und Zeichen dafür, dass Homosexualität selbstverständlicher wird.

Promis haben es auch nicht leicht. Trotz Ruhm und Glanz bewegen sie sich in einer Welt, die einem Haifischbecken nah kommt und schon so manchen Star und manches Sternchen zerfressen hat. Hinzu kommt, dass die ganze Welt ihnen beim Leben zusieht und sich das Maul darüber zerreißt. Und bekanntlich herrscht auch beim Film und Fernsehen noch eine Benachteiligung von Frauen (siehe Jennifer Lawrence’s oder Robin Wright’s Kämpfe für die gleiche Bezahlung wie die ihrer männlichen Kollegen). Man kann sich vorstellen, dass es für eine homosexuelle Prominente kein Spaziergang ist, offen mit ihrer Orientierung umzugehen – sie riskiert ihre öffentliche Wahrnehmung und womöglich auch ihre Karriere. Dementsprechend gibt es nicht viele offen lesbische Prominente.

Wo sind die prominenten Lesben?

Wage ich mal eine Aufzählung der mir bekannten lesbischen Prominenten! Ich lasse mal aus, wer zwischendurch angeblich mal etwas mit Frauen hatte – wie Pink und Lindsay Lohan zum Beispiel – weil diese sich nie wirklich bzw. nur kurz und nur so skandalös, dass es nicht mehr ernsthaft wirkte, zu einer gleichgeschlechtlichen Beziehung bekannt haben. Also wer bleibt da: Ellen DeGeneres, Melissa Etheridge, Beth Ditto, Jodie Foster…? Und in Deutschland? Anne Will, Hella von Sinnen, Lucy Diakovska, Ulrike Folkerts, Vera Int-Veen, Maren Kroymann, Bettina Böttinger…?

Altersdurchschnitt meiner Aufzählung (und ich denke, das sind tatsächlich einfach die bekanntesten prominenten Lesben): 52 Jahre. … Nichts gegen dieses Alter, aber – das ist nicht wirklich jung. Wo sind die bekannten, jüngeren Frauen, die Frauen lieben?!

Lesbische Prominente sind wichtig – als Vorbilder und für die Sichtbarkeit der LGBT-Community

Wenn ich mir das so vor Augen führe, spüre ich wieder, was mich vor wenigen Jahren noch so verdammt verunsichert hat. Ich habe mich früher, als ich ungeoutet war – und auch noch danach – gefragt, ob ich eigentlich die einzige Lesbe auf der Welt war. Natürlich ist das ein überspitzter Gedanke – aber mein Eindruck war einfach so. Keine offenen Lesben in meinem Umfeld (auch keine Bisexuellen, einfach niemand, der meine Empfindungen teilte) und in den Medien höchstens Frauen, die wesentlich älter und in einer ganz anderen Lebenssituation steckten als ich.

2014 allerdings ging ein gewaltiger Schwung durch dieses leere Gefühl: Ellen Page outete sich. Endlich, endlich ein frisches Gesicht! Eine bekannte Schauspielerin mit achtbaren Erfolgen stellte sich der Welt und erklärte “I am gay”.  Einen Ausschnitt aus ihrer Rede und ein Interview über diese Erfahrung seht ihr hier:

Das war toll. Und doch – war Ellen Page etwa der einzige, lesbische, jüngere Stern am Firmament? Heute weiß ich: Nein! Kristen Stewart (26), unser aller Twilight-Darling (was die Sache noch cooler macht, schließlich stand Kristen für einen der krassesten, heterosexuellen Liebes-Hypes der letzten Jahrzehnte), steht auch auf Frauen! Und Cara Delevingne (23), eines der gefragtesten Models unserer Zeit, auch! Halleluja!

“…wenn mich jemand als lesbisch bezeichnen möchte, wunderbar.”

Cara Delivingne (c) Gage Skidmore

Kristen äußerte sich der Zeitschrift “Variety” gegenüber, dass sich das Schweigen zu der Beziehung zu ihrer Freundin St. Vincent nicht mehr richtig anfühlte: ”Es zu verstecken, würde implizieren, dass man damit nicht einverstanden ist oder sich schämt.” Cara, über die schon lange Gerüchte zu ihrer Sexualität die Runde machten, sagte zur britischen “Vogue”: „Ich bin offensichtlich verliebt. Und wenn mich jemand nun als lesbisch bezeichnen möchte, wunderbar.”

Wunderbar! Finde ich auch. Ich persönlich bin dankbar für jede Frau, die offen zu ihrer Frauenliebe steht. Ob sie sich jetzt als lesbisch oder sonstiges bezeichnet, ist mir dabei eigentlich sogar egal – ich finde es nur absolut wichtig, dass es Frauen gibt, die ihr Gesicht hinhalten für Liebe zwischen Frauen.

Kristen Stewart (c) Georges Biard

Nur so erreicht lesbische Liebe eine gewisse Relevanz in der öffentlichen Wahrnehmung. So viele Menschen kennen in ihrem Umfeld einfach keinen einzigen homosexuellen Menschen (vielleicht auch, weil sich manch einer nicht dazu bekennen mag) – und das ging mir nicht anders. Aber wenn man im Netz, im Fernsehen oder in den Zeitschriften Menschen sieht, die man kennt, die man im besten Falle auch noch bewundert und die offen zu ihrer Homosexualität stehen – dann wird Homosexualität plötzlich wirklicher, näher und weniger “bedrohlich”.

Deshalb begrüße ich diese Entwicklung sehr. Bettina Böttinger eröffnete in einem Interview mit dem Stern vor einem Monat noch, dass sie im WDR blöder Kommentare, wenn nicht gar Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt war. Sie sprach davon, dass der “Faktor Flirt” Frauen heute immer noch weiterbringt – und dass das Wegfallen von diesem eben hinderlich ist. Das ist traurig. Das sollte uns nachdenklich machen. Um so besser, dass nun immer mehr homosexuell veranlagte Frauen zu sich stehen. Wenn es so weiter geht, dann schwindet auch die Basis, um sie zu diskriminieren. Kristen und Cara machen Mut. Mut, zu sich zu stehen.